Laureaten beißen nicht!

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Eine spannende und interessante Woche in Heidelberg ist vorrüber. Mehr als 250 Personen sind wieder in alle Welt verstreut und der Alltag kehrt langsam zurück. Die Gedanken an das Forum bleiben aber im Hinterkopf.

Ein Erfahrungsbericht aus meiner Sicht als Blogger für das deutsche HLF-Blogger-Team.

Vor dem Forum …

Als ich erfahren habe, dass ich als Blogger im deutschen Blogger-Team am HLF teilnehmen kann, überwiegte zwar vor allem die Freude auf das Forum, ich habe mir allerdings auch Gedanken gemacht, wie das Forum wohl ablaufen wird. Viele Fragen warfen sich mir auf: Werde ich Anschluss finden? Werde ich genug zu berichten haben? Habe ich genug Zeit zum Schreiben? Werde ich die Chance bekommen, mit den Laureaten zu sprechen? Und falls ja: Worüber spricht man dann?

In der Vorbereitungszeit vor dem Forum wusste ich auch, dass ich schon eine Woche vor Beginn des Forums Artikel fertig haben sollte, damit der Blog auch pünktlich mit Inhalten online gehen konnte. Hinzu kamen Recherchen zu den Laureaten und Vorbereitungen für das Interview mit Stefano V. Albrecht. Zusammen mit der Reiseplanung gab das natürlich eine Menge Arbeit schon vor
Beginn des Forums.

Aber trotz der Tatsache, dass ich mich auf das Forum gefreut hatte, war es für mich bis eine Woche vor Anreise noch nicht wirklich in greifbare Nähe gerückt. Erst als ich mich intensiv damit beschäftigt habe, über die Laureaten zu lesen, die ersten Artikel zu schreiben und auch Ideen zu sammeln, rückte die Woche langsam in den Vordergrund. In diesem Zusammenhang bin ich dann auch zu meinem zweiten Artikel gekommen.

Startschwierigkeiten

Der Anreisetag mit einer geplanten Reisezeit von etwa acht Stunden stellte sich als äußerst chaotisch dar. Meine Reise mit dem Zug gestaltete sich ein ganzes Stück länger als geplant. Mit jedem Umsteigen wurden die Zeiten bei den Verspätungen länger und so war ich nun eine Stunde später als geplant in Heidelberg angekommen und meine Reisezeit stieg damit von geplanten acht auf neun Stunden an. Jedoch wurde ich durch einen großen HLF-Aufsteller in der Bahnhofs-Halle in Heidelberg, Willkommen geheißen.

Während der Zugfahrt nach Heidelberg
Während der Zugfahrt nach Heidelberg

Das Treffen mit meinem Onkel wurde durch eine Autopanne in Heidelberg und zwei Stunden auf den Pannendienst warten etwas unglücklich beendet. Es ging also zu Fuß durch die Altstadt – immer auf der Suche nach meinem Hotel.

Der rote Faden in Heidelberg
Der rote Faden in Heidelberg

Überraschenderweise hatte ich einen roten Faden, an dem ich mich orientieren konnte. Der rote Faden, der die Fußwege der Heidelberger Altstadt verziert, ist ein Projekt, dass kleine Läden in der Innenstadt unterstützen soll. Mir hat der rote Faden vor allem beim Auffinden meines Hotels gefunden und nach geschlagenen 12 Stunden Reisezeit konnte ich dann endlich im Hotelzimmer einchecken.

Laureatengallerie
Laureatengallerie

Auf dem Weg zum Hotel bin ich auch an der Laureaten-Gallerie vorbei gekommen, die ich trotz Gepäck und Müdigkeit eine Runde betrachtet habe. Dabei hatte ich den fantastischen Blick auf Heidelberger Schloss. Die schöne Aussicht hat meinen Reiseärger wieder etwas ausgeglichen und meine Vorfreude auf den ersten Tag des Forums wieder in den Vordergrund gebracht.

Feierliche Eröffnung

Der Eröffnungstag war durchaus spannend. Ich habe mein Presse-Kit bekommen, die ersten Leute von der Organisation und vor allem auch die Personen aus dem Blogger-Team kennen gelernt. Ab jetzt hieß es auch für mich: „English, please!“. Da das Forum Teilnehmer aus der ganzen Welt vereint hat, war Englisch die Sprache, die die Kommunikation bestimmt hat. Eine super Gelegenheit, die eigenen Sprachkenntnisse zu trainieren und zu erweitern!

Mein Presse-Kit mit Konferenzmappe, Pressemitteilungen und Namensschildchen
Mein Presse-Kit mit Konferenzmappe, Pressemitteilungen und Namensschildchen

Nach einem ersten Kennenlerntreffen inklusive erster Absprachen in der Blogger-Runde ging es dann auch mit der feierlichen Eröffnung los. In der großen Aula der Neuen Universität versammelten sich die 200 Young Researcher, Politiker und Organisatoren und erste Worte wurden an das Publikum gerichtet – dann zogen die Laureaten in den Saal ein: Tosender Applaus, Spannung und eine große Portion Respekt!

Alle teilnehmenden Laureaten wurden der Reihe nach vorgestellt, ein paar Politiker hielten Reden und letztlich kamen auch die Köpfe der Organisationen für Mathematik und Informatik zu Wort. Begleitet wurde die Eröffnungsveranstaltung von einem Saxophonquartett, die mit ihrer Musik die Menge gut unterhalten haben.

Turm im Innenhof der Neuen Uni Heidelberg
Turm im Innenhof der Neuen Uni Heidelberg

Im Anschluss ging es in die Stadthalle – gemütliches Aufeinandertreffen mit Gesprächen und anschließendem Konzert des SAP-Sinfonieorchesters. In der Stadthalle konnte ich dann auch schon meine ersten Kontakte zu den Young Researchern aufnehmen. Vor allem konnte ich nun auch mit Stefano persönlich sprechen, da ich das Interview mit ihm via E-Mail geführt hatte.

Das Sinfoniekonzert, das im Geiste Mozarts stand und eine Brücke zur Informatik und Mathematik schlagen wollte, war der Abschluss dieses Abends. Ohne jede Frage war dieses Konzert musikalisch sehr gelungen. Gerade der zweite Teil, in dem ausschließlich Musik ohne Zwischentexte gespielt wurde, war sehr gut. Der erste Teil, der ein kleines Theaterstück integriert hatte, war zwar mit guten Ideen
gespickt, jedoch gab es ein paar Punkte, die meines Erachtens nicht so gut gepasst haben.
Da der überwiegende Teil des Publikums kein Deutsch verstanden hat, konnten sie der Handlung der kleinen Inszenierung nicht folgen, die Witze nicht verstehen und waren damit ein wenig außen vor. Zudem passte die kleine gekünstelte Liebesgeschichte zwischen der Computerexpertin und dem Musikliebhaber nicht so ganz in den Rahmen der Vorstellung. Die Idee, den Turing-Test in das Theaterstück einzubeziehen war aber durchaus gut und auch nett umgesetzt.

Hinter den Kulissen

Am Eröffnungsabend habe ich auch meinen Grundstein für eine Artikelserie legen können, die letztlich aus drei Artikeln besteht. Denn ich habe Gwen Spencer kennengelernt – eine Mathematikerin, die ein Diagramm aus ihrem ersten Paper als Kette um ihren Hals trägt. Später auf dem Weg zurück zum Hotel habe ich dann Manish Mishra gewissermaßen „gerettet“. Er stand etwas hilflos an der Bushaltestelle und hat versucht, den Weg zu seinem Hotel zu finden. Eine kleine Kartenskizze von mir hat ihn dann letztlich in die richtige Richtung geleitet. So ist auch er zum Teil meines ersten „Hinter den Kullisen“-Artikels geworden.

Als sich nach den ersten Tagen herausgestellt hatte, dass die Stimmung auf dem Forum relativ locker war, packten einige Laureaten dann auch ihre passenden T-Shirts aus. – Das schrie förmlich nach einem Artikel zur Fortsetzung meiner Artikelserie.

Während der Bootsfahrt präsentierte sich dann auch die Geschichte für meinen dritten Einblick hinter die Kulissen. Barry Cipra, ein Journalist mit Mathematik-Hintergrund hat uns ein Spiel gezeigt, dass den Namen „Coercion“ trägt. In einem separaten Artikel werde auch hier noch einmal auf das Spiel von ihm eingehen, da es nicht nur sehr viel Spaß macht, sondern auch mathematisch durchaus interessant ist. Für die neugierigen unter euch, gibt es den Artikel aber auch schon jetzt auf dem HLF-Blog zu lesen.

Die Artikelserie findet ihr hier:
Hinter den Kulissen des Forums – Young Researcher
Hinter den Kulissen des Forums (2) – Kleidungsfragen für Laureaten
Hinter den Kulissen des Forums (3) – Ein Spiel für unterwegs

Laureaten beißen nicht

Mit dem Vergehen der ersten Tage und den ersten Gelegenheiten, auch mit den Laureaten zu sprechen1 konnte ich bald festestellen, dass Laureaten keine übernatürlichen Wesen, sondern auch nur Menschen sind. Laureaten beißen nicht! Ich hatte viele gute Gespräche und auch einige tolle Momente mit den Laureaten erleben dürfen. So konnte ich neben den Fotos für einen meiner „Hinter den Kulissen“-Artikel auch zwei der Laureaten Portraitieren. Die beiden Bilder zieren nun mit Autogramm und persönlicher Widmung mein Skizzenbuch! Die Chance auf ein Foto mit Manuel Blum habe ich mir dann aber doch nicht entgehen lassen!

Portrait Cédric Villani
Portrait Cédric Villani
Manuel Blum und Marlene Knoche
Manuel Blum und Marlene Knoche
Portrait Manuel Blum
Portrait Manuel Blum

Inspiration auf mehreren Ebenen

Alles in allem war die Woche extrem inspirierend, motivierend und interessant. Die Inspiration kam nicht nur durch die Bilder, die ich von Heidelberg und den Laureaten gezeichnet habe, aber auch durch die interessanten Vorträge der Laureaten und dem Crowdsourcing-Workshop, den ich besucht habe. Zum Crowdsourcing-Workshop gibt es im Übrigen auch einen Artikel von mir.

Heiliggeistkirche Heidelberg
Heiliggeistkirche Heidelberg

Einer der inspirierendsten und meiner Meinung nach besten Vorträge hat Curtis T. McMullen gehalten: „Billards and curves in moduli space“. Auch, wenn die Theorie hinter dem Vortrag nicht die leichteste war und ich durchaus nicht alles verstanden habe, was McMullen berichtet habe, so war sein Präsentationsstil, die anschaulichen Bilder und vor allem ein tolles Video am Ende der Präsentation waren super! Einen kleinen Beitrag mit Link zum Video habe ich auch im HLF-Blog geschrieben.

Mit diesem Vortrag und dem von Avi Widgerson über „Randomness“, welcher im übrigen auch sehr gut war, habe ich auch Inspiration auf künstlerischer Ebene bekommen. Was ich da aber genau für eine Idee habe, erfahrt ihr demnächst hier im Blog, da auch das den Rahmen dieses ohnehin schon sehr langen Artikels sprengen würde.

Aber auch Heidelberg selbst war eine Quelle der Inspiration. Viele wunderschöne und gut erhaltene alte Gebäude, ein wunderschöner Ausblick mit Schloss und der alten Stadtbrücke sowie die schöne Landschaft mit grünen Bergen und dem Neckar waren sehr sehenswert.

Torbogen Alte Brücke in Heidelberg
Torbogen Alte Brücke in Heidelberg
Schloss Heidelberg
Schloss Heidelberg

Erlebnisreiche Freizeitgestaltung

Aber das Programm beim HLF war nicht nur von Vorträgen, Workshops und Diskussionen bestimmt. Ein vielfältiges Freizeit- und Kulturprogramm mit Dinner und Zeit für Gesprächen machte eine runde Sache aus der Woche. Dazu haben das Konzert am Eröffnungstag, Dinner mit Bigband im Schloss Schwetzingen, eine Bootsfahrt mit Dinner auf dem Neckar und letztlich eine Schlossführung mit Dinner im Heidelberger Schloss gezählt.

Am Mittwoch Abend gab es auch ein Oktoberfest, bei dem ich auch gezeichnet habe und auch dabei fotografiert wurde.

Kulturelle Unterhaltung beim Oktoberfest Heidelberg
Kulturelle Unterhaltung beim Oktoberfest Heidelberg
Beim Zeichnen. Foto: Mohamed Yahya
Beim Zeichnen. Foto: Mohamed Yahya

Es gab auch einen freien Abend für alle, außer den Laureaten, die sich zu diesem Zeitpunkt mit Vertretern der Stadt getroffen hatten. Ich habe den Abend genutzt, um den Blick aufs Schloss und die Stadtbrücke zu zeichnen (wie oben schon gezeigt) und war dann anschließend mit Blogger-Kollegen und einigen Young Researchern noch Abendessen und in der Cocktailbar.

Die Woche ist also nicht zu einem Zeitpunkt langweilig gewesen, es war immer etwas los und es gab viel zu sehen. Aber auch die Versorgung war sehr gut – für wirklich jeden gab es etwas und auch auf alternative Kost wurde Rücksicht genommen und ein schönes Menü vorbereitet.

Schlaf ist überbewertet

Aber mit vielen Abendveranstaltungen, Ausflügen in die Stadt und dem nebenher laufendem Auftrag auch für den Blog Artikel zu schreiben geht ein akuter Schlafmangel einher. Ensprechend anstrengend war die Woche auch gewesen.

Andererseits hat das Bloggen – dass ich meist zwischen 22 und 2 Uhr betrieben habe – auch insgesamt 8 Artikel vorgebracht, die das Forum dokumentiert haben. Außerdem macht es ja auch Spaß zu schreiben. Vor allem der Artikel über das Spiel von Barry Cipra2 hatte es mir angetan. Da war ich dann tatsächlich bis 4 Uhr morgens auf den Beinen und habe geschrieben. Zugegebenermaßen war der Fernseher im Hotelzimmer nicht ganz unbeteiligt am Schlafmangel3 . Dass ich dann an einem Tag auch etwas verschlafen habe, war da wohl auch mal zu verschmerzen – immerhin hatte ich ja einen tollen Artikel.

Königlicher Abschluss

Der letzte Tag des Forums war sehr schön, wenn auch mit dem unschönen Gedanken des Abschieds verbunden. Nach einem Ortswechsel von der Neuen Uni zum EMBL Heidelberg (European Molecular Biology Laboratory) begannen die letzten Vorträge und später eine Diskussionsrunde über das Forum mit positiven Aspekten und Verbesserungsvorschlägen sowie Wünschen für kommende Treffen.

EMBL Heidelberg
EMBL Heidelberg

Es war noch einmal die Gelegenheit da, um mit Laureaten, Young Researchern und den Blogger-Kollegen Gedanken auszutauschen und sich von den ersten Personen zu verabschieden. Im Anschluss ging es dann zum Heidelberger Schloss und wir bekamen eine schöne Schlossführung mit Einblicken in die Architektur und Geschichte des Schlosses und der Königsfamilie. Dazu gab es zum Abend hin einen wunderschönen Blick auf Heidelberg selbst.

Ausblick vom Schloss
Ausblick vom Schloss

Ich habe auch auf dem Schloss die Zeit gefunden, ein kurzes Bild vom Schloss zu zeichnen, was mich sehr freut. So eine Burg ist eben etwas, dass ich in Görlitz nicht als Motiv habe.

Auf dem Schloss in Heidelberg
Auf dem Schloss in Heidelberg

Den königlichen Abschluss hat das Forum mit dem Dinner im Königssaal des Schlosses gefunden. Die Fotos, die während der Woche geschossen wurden, waren mit einem beamer an die Wand projeziert worden, eine Liveband spielte Musik und ein sehr leckeres Drei-Gänge-Menü hat dem ohnehin schon guten Essen noch mal eins drauf gesetzt. Auch hier hatte ich noch einmal die Möglichkeit zu Zeichnen. Ich habe in Portrait von einem Young Researcher gezeichnet, der mit an meinem
Tisch saß.

Portrait Kamran Kalbasi
Portrait Kamran Kalbasi

Der Abend endete mit der Verabschiedung von vielen tollen Menschen. Sehr schön war auch, dass jeder Teilnehmer ein Poster bekommen hat, dass Fotos aller Laureaten trägt. Eine schöne Erinnerung an dieses erste Heidelberg Laureate Forum!

… ist nach dem Forum!

Ganz im Sinne der ersten und letzten Teilüberschrift: „Vor dem Forum ist nach dem Forum!“ möchte ich mit diesem Bericht abschließen.
Die Vorbereitungen für die 2. Auflage des Forums werden in Kürze beginnen und ich hoffe, dass auch das nächste Forum wieder ein solcher Erfolg wird.

In diesem Sinne: Vielen Dank an alle Organisatoren, Laureaten, Young Researcher, sonstige Teilnehmer und besonders auch an das gesamte Blogger-Team! Es war eine fantastische Woche voller schöner Veranstaltungen, interessanten Vorträgen, guten Gesprächen und einer großen Ladung Inspiration und Motivation!

Fußnoten:

  1. Kleiner Hinweis für die künftigen jungen Teilnehmer der kommenden HLF’s: Die meisten Laureaten waren sehr gern bereit, einfach ein Gepsräch anzufangen und in eine Diskussion einzusteigen – man braucht nur hingehen und ‚Hallo‘ sagen. Ein Gespräch ergibt sich meist von allein. Erzählt, was ihr so macht, worüber ihr forscht, was euch interessiert
    und diskutiert mit den Laureaten darüber. []
  2. Hinter den Kulissen 3 []
  3. Man kennt das ja, da kommt plötzlich die eine Serie, die man gern schaut und denkt sich ‚Ach, die Folge schaust du zu Ende und dann gehst du schlafen.‘, aber dann fängt die nächste Folge an und die geht dann eben auch noch. Und schwupps ist es halb 3 am Morgen. []
Marlene Knoche Verfasst von:

Informatikerin mit Hang zur Kunst. - Theaterbegeistert, mag Katzen und Kaffee.

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